Deutsch Texte – ‘Palace Of Tears’

Palace Of Tears  2014

Album Tracks

(1) DIE LINIE IM SAND (6) DER GEBURTSTAG DES KÖNIGS
(2) DER HANG DES BERGES (7) DIE TRÄNEN DER ISIS
(3) DER PALAST DER TRÄNEN (8) DER RUF DER MÖWE
(4) DER SCHLAFENDE RIESE (9) DIESER NÄRRISCHE TRAUM
(5) ZERSTÖRERISCHER ENGEL (10) WENN DER VORHANG FÄLLT


(1) DIE LINIE IM SAND

Irgendwo gibt es eine Linie im Sand

Irgendwo gibt es einen Mann, einen Plan
Hör das Brüllen des Donners
Die Trommeln des Krieges

Sieh, wie die Feuer wieder brennen
Die Reihen marschierender Männer
Irgendjemand hat eine Vision, wie die Dinge sein sollten

Deshalb wird die schwarze Schlange sich winden durch die Täler
Durch Gebeine und verlass’ne Höfe und Mohnfelder
An den Tulpen vorbei und den wilden Blumen
Dem Stacheldraht und den Türmen
Hin zu den großen Schiffen, die auf dem Meer warten

Irgendwo gibt es eine Linie im Sand
Irgendwo stirbt ein Mann
Irgendwo weit weg werden Entscheidungen getroffen

Hör, wie der Himmel wieder schreit
Das Aufheulen großer Maschinen
Hör das Brüllen des Donners

Um die Erde und das Herz nieder zu stampfen
Wird die Kraft des Stahls, die Kraft des Feuers
Und das eiserne Pferd hindurch gehen
Die eiserne Faust wird herrschen
Und das Land umkrempeln

Und die Frucht all dieser Arbeit
Die Pipelines und das Öl
Die Eisenbahnen und die Strassen zum Meer
Durch die Tulpen und wilden Blumen
Den Stacheldraht und die Türme
Um die Lampen der großen Städte anzuzünden

(2) DER HANG DES BERGES
Ich wurde geboren, wo der Wald auf die Ebene trifft
Vor mir waren die Wege zu Reichtum und Glück
Aber hinter mir war der Berg mit seinen Tälern so schwarz wie die Nacht
Der mich wie Asche vom Licht wegzog

Und ich bin angebunden, festgebunden
Gekettet an den Hang des Berges

Man warnte mich vor dem Herbst und dem Dunst, der mit dem Morgengrauen kommt
Man warnte mich vor den Wölfen, die im Winter ganz nah an den Hof kommen
Man warnte mich vor dem Eis des Frühlings und dem Biss der Natter im Sommer
Und doch wählte ich die Dunkelheit und die Sterne bei Nacht

Ich bin angebunden, festgebunden, gekettet

Ich hatte mal eine Geliebte vor langer, langer Zeit
Wir trennten uns im Tal beim grünen Wasserfall
Und manchmal höre ich sie singen an einem warmen Sommerabend
Ich weiß, dass ich ihrem Ruf niemals folgen werde

Und ich bin angebunden, festgebunden

Und hier neben der Quelle mit dem kalten, klaren Wasser
Sitze ich und schaue dem Himmel, dem Jahreswechsel zu
Und die Geschöpfe des Waldes kommen nachts ganz nah zu mir her
Ich seh, wie ihre gelben Augen leuchten im erlöschenden Schein des Feuers

Und ich bin angebunden, festgebunden
Gekettet an den Hang des Berges


(3) DER PALAST DER TRÄNEN
Das Stahltor schließt sich hinter mir
Wie der Bolzen eines russischen Gewehrs
Teil der Mauer um uns herum
Die uns weiter fliehen lässt
Sie zerschneidet diese Stadt
Sie zerschneidet mein Herz
Sie zerschneidet dieses Land
Sie trennt unsere Welten

An den grauen Steinmauern vorbei
Die erschüttert sind von den Narben des Krieges
– Die Gezeitenmarke eines Jahrhunderts –
Für den so viele gestorben sind
Und die Statuen schweigen
An jenem kalten, regnerischen Tag
Und warten auf die Kräne
Um sie alle zu entfernen

Ich erinnere mich an deine Wohnung in ihrem verblichenen Glanz
Du sagtest, dir wäre es schon recht so
Nun, mir war es auch recht
Ich schaue auf jene Tage mit Liebe und Zorn zurück
Dass wir es nie wagten zu träumen
Es zu erleben, wie die Mauern fallen
Und die Welt hereinströmt

Wir lagen auf dem Fußboden
Die Flügeltüren waren weit geöffnet
Wir sprachen nicht über die Zeit
Unsere Liebe blieb unerwähnt
Wir wussten, dass ich morgen gehen würde
Und du konntest mir nicht folgen
Wir sahen zu, wie es regnete

Du brachtest mich zurück an den Checkpoint
Zurück zu all dem Glanz
Und den Lichtern der westlichen Welt
Und dort bei Hammer und Sichel
sagte ich auf Wiederseh’n mein Herz
Wie so viele andere vor mir
am Palast der Tränen

Auf Wiederseh’n mein Herz
Wir verabschiedeten uns am Palast der Tränen

Nun sind die Kontrollpunkte abgerissen
Die Stadt hat überlebt
Die Verlierer und Sieger
Leben einfach weiter
Wenn ich über die guten Dinge
An den schlimmen alten Zeiten redete
Würdest du es Nostalgie nennen
Und ich verstehe die Zeit nicht
Die vergangen ist


(4) DER SCHLAFENDE RIESE
Ich träumte ich sähe einen Riesen schlafend auf dem Land
Die braunen Hügel des Hochlands wiegte er in seinen Händen
Ich träumte der Riese hätte ein Lächeln auf dem Gesicht
Da all die Lieben, die er verloren hatte, nie umsonst gewesen waren

Nein, sie kamen alle wieder, um ihm zu vergeben
Und zu seinem großen Erstaunen
Verstanden sie die Leidenschaft
Im Feuer seiner Augen

Er hinterließ seine riesigen Fußabdrücke im weißen Sand
Doch sie vergaben ihm seine törichte Art und alles, was er getan hatte
Als er sie liebte, liebte er wahrhaftig und hatte nie vor zu gehen
Und als er weinte, weinte er Ströme, aus ganzem riesigen Herzen

Nun sind all die Jahre und die Spieler vergangen
Wie so viele Träume der Hügel unserer Kindertage

Er wandte sich um am Morgen und machte sich auf den Weg
Er ging zum Horizont, dorthin, wo die Sonne aufgeht
Und ich träumte, niemand könnte den Riesen jemals aufwecken
Seine Geliebte war jetzt der Himmel, er würde ihm auf seinem Weg helfen

Und ich schaute zu, bis der Abend kam
Und ich sah, wie er zerschmolz
Bis alles, was übrig war, die Umrisse
Der Hügel unserer Kindertage waren

Und wir trinken ein Glas auf die Freundschaft und auf die Heimat
Wir sagten immer, das, was wie wir ist, wenig genug, ist alles verschwunden

Nun sind all die Jahre und die Spieler vergangen
Wie so viele Träume der Hügel unserer Kindertage


(5) ZERSTÖRERISCHER ENGEL
Zerstörerischer Engel
Ich traf dich im Wald
Am Ende des Tages
Du sahst so süß und unschuldig aus
Du warst so unschuldig
Ich dachte, dass ich scherzen könnte
Ich dachte, dass ich spielen könnte
Rein und fast heilig
Fast hätte ich gebetet

Zerstörerischer Engel, gekleidet in weiß
Du zerstörst mit jedem Biss
Oh schöne Täuscherin, du wartest und rufst
Sich auflösende Herzen, der Fall aus freien Stücken

Du standest da im Zwielicht
Mit einem Lächeln auf dem Gesicht
Du hast ein ganzes Jahrhundert gewartet
Auf einen Narren, der in Ungnade fällt
Spiegel meiner Schwäche
Ich versuchte zu schreien oder wegzulaufen
Ich fühlte, wie meine Leber dahinschmolz
Ich wusste, was ich getan hatte

Zerstörerischer Engel …

Ich hatte nie gedacht, das ich das tun könnte
Aber ich wusste, dass ich in Versuchung geraten würde
Oh, ich hatte nie gedacht, dass ich das tun würde
Aber ich wusste, dass ich in Versuchung geraten würde

Bin ich es, der Verderben bringt
Auf dieser stillen, hölzernen Lichtung?
Die schöne Täuscherin zu verfluchen
Und die Schuld weiterzugeben?
Ich wusste, was ich tat
Das weiße Fleisch zu versuchen
Ich wusste, dass es mich ganz einnehmen würde
Als ich den zweiten Bissen nahm

Zerstörerischer Engel …

Und hatte nie gedacht, dass ich das tun könnte
Was hätte ich auch tun sollen?
Oh, ich hatte nie gedacht, dass ich das tun könnte
Ich denke mal, ich hätte weglaufen sollen
Oh, ich hätte weglaufen sollen

Zerstörerischer Engel …


(6) DER GEBURTSTAG DES KÖNIGS
Sie hieß Karin
Und am Geburtstag des Königs
Setzte sie ihre beste Haube auf für die Parade in der Stadt
Du kannst sie auf diesem Foto sehen
Aus einer ganz anderen Zeit
Sie möchte, dass alle wissen: es sind ihre besten Jahre
Sie ist ein weitbekannte Schönheit
In dieser kleinen Marktgemeinde
Sie ist im heiratsfähigen Alter
Sie wurde heute 16

Nun, da sie erblüht ist
Möchte sie ihre Flügel ausbreiten und fliegen
Wenn auch nur bis zu den Spitzen der Kiefern dort
Sie steht auf der Schwelle
Zu all dem, was noch kommen mag
Sie fühlt die Kraft, jemand besonderer zu sein
Sie kann es sich vielleicht sogar aussuchen
Ob sie die Frau eines Kaufmanns wird
Und die blaue Schürze trägt
Oder sie fliegt einfach weg

Und die Burschen kamen herbei, stellten sich auf und starrten sie an
In ihren neuen Anzügen und Hüten
Schlecht sitzende Anzüge für ein erbärmliches Leben
Die Auswahl ist gegeben, wir müssen alle Kompromisse schließen
Und die Kapelle spielte einen Walzer für den König
Das Werben fing an, wir sind gefangen, in die Falle gegangen
Wenn du wirklich Glück hast und dem Richtigen gefällst
Lebst du mit dieser Wahl für den Rest deines Lebens

Sie hieß Karin
Und vor langer Zeit erblühte sie
Wie so viele andere ein wenig zu früh
Du kannst sie auf diesem Foto sehen
Wie sie aus der Menge herausstach
Und, obwohl sie längst schon verblichen ist
Und ihr anmutiges Aussehen schon so früh verlor
Oder eher, weitergab
An eine andere, die zu einer anderen Parade in der Stadt ging
Zum Geburtstag eines anderen Königs


(7) DIE TRÄNEN DER ISIS
Wie die Zeichnungen, die Zeichnungen der Träume
So unvollständig wie das Ungesehene
Ich träumte und dachte, wir hätten miteinander gesprochen
Du lächeltest so traurig, das war genug
Niemals näher als die Schatten
Vielleicht ist das alles, was wir jemals wissen werden

Und ich wäre gerne all meinen Vätern und Müttern begegnet
Den ganzen Weg zurück durch die Schatten der Zeit
Ich hätte ihnen gerne gesagt, gesagt, dass sie es gut gemacht haben
Einfach zu überleben, und ich werde überleben

Und all die Tränen der Isis
All die Wasser des Nils
Bringen, bringen mir ihren Segen
Ich bin ihr Waisenkind

Und ich ging hinunter zum Fluss
Ich fühlte, wie das Wasser meine Haut berührte
Ich ließ meine Finger die Spannung brechen
Zwischen dem Gesehenen und dem Ungesehenen
Niemals näher als die Schatten
Vielleicht ist das alles

Und ich trage, trage diesen Fluss
Und ich fühle, wie er in meinen Adern fließt
Und ich reite, reite auf diesen Stromschnellen
Und ich weiß nicht, wo es enden wird

Und all die Tränen der Isis
Und all die Wasser des Nils
Sie bringen, bringen mir ihren Segen
Ich bin ihr Waisenkind

Niemals näher als die Schatten
Vielleicht ist das alles, was offenbart wird
Wie herausfinden, dass die Quelle, die Quelle eines großen Flusses
Nur ein sumpfiges Feld ist

Und ich werde im geliebten Schottland einen Stein errichten
Ich werde Whiskey auf den Boden sprenkeln
Ich würde gern das Allerbeste für dich tun
Und dich niemals enttäuschen

Und all die Tränen der Isis …

Niemals näher als die Schatten …


(8) DER RUF DER MÖWE
Ich glaube an das einfache Leben
Und wenn du die Richtige gefunden hast, brauchst du dich niemals mehr zu trennen
Wir fanden uns hier im Staub
Unter den Türmen aus Stahl und aus Rost
Es war Liebe in den Docks bis der Morgen graute
Und jetzt höre ich wieder den Ruf der Möwe

Die gepflasterten Strassen sehen aus wie immer
Sie glänzen nass im Morgenregen
Als ich den Lichtern bis ans Ende der Strasse folgte
Und ich fand die Bar, in der wir uns immer trafen
Es ist 4 Uhr morgens, und die Lampen sind gedämpft
Sie spielen die gleiche Musik im Radio
Tamla Motown kommt niemals aus der Mode
Aber Gelegenheiten kommen und gehen
Und ach, so viel Zeit ist vergangen
Ein anderes Stück hat eine andere Besetzung
Und andere Schauspieler tragen unsere Schuhe
Und die Hafenstadt singt den Hafen-Blues
Es kann nie wieder so werden
Die Schiffe fahren ab, doch die Docks bleiben zurück
Und ich kann wieder den Ruf der Möwe hören

Der Eisbrecher liegt schlafend an der Kaimauer
Wie gerne würde ich jetzt das Brummen des Diesels hören
Der mir einen Weg durch das Packeis bricht
Das, was unsere Herzen verschließt, kommt heute Nacht zu mir zurück
Ich glaubte immer, ich hätte nur kaltes Blut in den Adern
Und ich kann wieder den Ruf der Möwe hören

Eines Tages fand ich deinen Brief in einer Schachtel
Und ich las ihn diesmal auf andere Art
Ich sah, dass wir vielleicht eine Chance gehabt hätten
Aber wir warfen diese große Liebe einfach weg

Es gab Verbindungen, die ich nicht sehen konnte
Ich wusste nicht, was du mir bedeutest
Aber ich sage einfach, dank solcher Erinnerungen
Gibt es einen Trost in der Wildnis
Und jetzt bin ich wieder in dieser Hafenstadt
Ich denke, ich nehme mir etwas Zeit und schaue mich um
Es kann nie wieder so werden
Die Schiffe fahren ab, doch die Docks bleiben zurück
Und ich kann wieder den Ruf der Möwe hören


(9) DIESER NÄRRISCHE TRAUM
Es ist schon Mittags und ich träume immer noch
Und ich habe es gar nicht eilig, aus dieser Stimmung zu kommen
Nun, ich habe mich so weit, dass ich glaube
Dass mich etwas Gutes berührt

Ein paar Stunden später werde ich genau wie der Regen sein
Dein altbekannter Freund
Doch jetzt gerade lebe ich in
Diesem närrischen Traum

Es ist nicht die Klinge des Schmerzes oder der Sorge
Die mich heute begleitet
Es ist ein so seltener Geschmack, dass ich ihn nicht einfach hinunter schlucken will
Wenn ich ihn auch verklingen lassen kann

Ein Geschmack der Liebe, selten genug
Doch heut ist er da
Er könnte falsch sein, doch wie falsch wäre es, diesen Geschmack zu vergeuden

Wie eine Feder fällt, werde ich den Boden berühren
So langsam wie ich will
Dann werde ich mich umdrehen, nie zurückblicken
auf diesen närrischen Traum

Diese Schatten bunten Glases, die sich in meinem Fenster bewegen
Müssen für heute genügen
Ich glaube, ich habe ein wenig dieser verbotenen Liebe gefühlt
Ich kann sie schon noch kurz festhalten

Und dann das zurücklassen, was beinahe sein musste
Ein weiteres Lied, das nicht gesungen wird
Ich bin kein solcher Narr, als dass ich wirklich glauben würde
An solch närrische Träume


(10) WENN DER VORHANG FÄLLT
Wenn die Zeit teilt, ist ein Punkt überschritten
Man kann diese Worte nicht ungesagt machen
Eine Stimmung kann sich von hell in düster wandeln
Wenn der Vorhang fällt
Ich sah, wie mein Freund dort so glücklich war
Seine Tränen waren Freudentränen
Die Kerze brannte mit hellster Flamme
Als wir dem Tänzer zusahen

Ich denke mal, ich bring dich nach Hause
Dann bist du für dich
Ich sage es noch einmal
Und zwar zum letzten Mal
Komm und verbeuge dich
Wir werden dich schon irgendwie zurückbringen
Wenn der Vorhang fällt

Man sagt, dass manchmal die Worte eines Betrunkenen
Gedanken sind, die er hat, wenn er nüchtern ist
Der Höllenhund ist niemals weit
Sein Maul liegt auf deiner Schulter
Und sicher hatten wir eine schöne Zeit hier
Bis die dunklen Wolken sich ballten
Das Abschiedsglas ist jetzt gelehrt
Es hat nie wirklich etwas bedeutet

Ich bring dich nach Haus
Mein besonderer Freund
Ich sag’s noch einmal zum letzten Mal
Die Dämonen des Tages
Kommen alle zurück und bellen
Wenn der Vorhang fällt

Und nun gleiten wir die Strasse entlang
Die Musik wird immer leiser
Der schwerste Teil eines jeden Tages
Ist zu wissen, wann es vorbei ist

Und Dank dir Bier und Dank dir Wein
Für all die Zeiten, die wir zusammen verbrachten
Es stehe jeder auf
Erhebe sein Glas
Einen Toast auf bess’res Wetter
Wenn der Vorhang fällt